Nagelpilz – Das müssen Sie wissen

Nagelpilz ist eine weit verbreitete Infektion. Etwa einer von fünf Erwachsenen ist davon betroffen. In der Gruppe der über 65-jährigen ist es sogar fast die Hälfte. An Fußnägeln (80 %) tritt der Pilzbefall wesentlich öfter auf als an Fingernägeln (20 %). Sowohl die Ursachen von Nagelpilz als auch dessen Symptome können sehr unterschiedlich sein. Dieser Artikel liefert Ihnen alle wichtigen Informationen zum Thema Nagelpilz.

Was ist Nagelpilz?

Unter Nagelpilz, von Medizinern auch Nagelmykose oder Onychomykose (Onycho = Nagel, Mykose = Pilzerkrankung) genannt, wird eine Infektion der Zehen- oder Fingernägel verstanden. Diese wird in den meisten Fällen durch Fadenpilze (Fachbegriff Dermatophyten), seltener aber auch durch Hefe- oder Schimmelpilze verursacht. Dieser mikroskopisch kleine Pilz ist ein Parasit, welcher sich im Laufe der Evolution darauf spezialisiert hat, das Keratin in unserer Haut und unseren Nägeln als Nahrungsquelle zu nutzen. Im Anfangsstadium der Krankheit verlieren die betroffenen Nägel ihren Glanz und werden trübe bzw. undurchsichtig. Im weiteren Verlauf kann Nagelpilz meist durch gelbliche bis grau-bräunliche Flecken oder Streifen auf dem Nagel erkannt werden.

Oft geht der Nagelpilz mit einem Fußpilz daher, da beide Erkrankungen denselben Erreger haben. Wird ein Fußpilz nicht rechtzeitig behandelt, kann er sich ausbreiten und auch die Fußnägel befallen. Umgekehrt kann sich der Pilz ebenso vom infizierten Fußnagel auf den Fuß, im schlimmsten Fall sogar auf die Hand und/oder andere Hautpartien, ausbreiten. Nagelpilzerkrankungen sollten stets von einem Mediziner diagnostiziert werden, da ihre Therapie langwierig und kompliziert sein kann. Andernfalls droht eine Ausweitung des Pilzbefalls. Das ist nicht nur unschön anzusehen, sondern kann darüber hinaus zu Schmerzen und Beeinträchtigungen beim Gehen führen. Nagelpilz ist eine häufige Erkrankung, ca. 10 Prozent der Europäer sind von Dermatophyten befallen.

Ursachen von Nagelpilz

Der Haupterreger, auf den ca. 80 % aller Nagelpilzinfektionen zurückzuführen sind, ist der Fadenpilz (Dermatophyt) Trichophyton rubrum. Diesen Status verdankt der Pilz einer besonderen Eigenschaft: Er ist in der Lage unser Immunsystem so zu beeinflussen, dass er keine zelluläre Immunantwort auslöst. Daher können die Abwehrkräfte unseres Körpers den Pilz nicht bekämpfen. Dies ist auch einer der Gründe, warum die Infektion nicht von allein ausheilt und dringend ein Mediziner aufgesucht werden sollte.

Die Übertragung des Erregers erfolgt per Schmier- oder Kontaktinfektion. Dabei wird der Pilz entweder direkt von Person zu Person übertragen oder über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Strümpfe oder Schuhe. Erhöhte Ansteckungsgefahr besteht besonders an Orten, wo Menschen barfuß gehen wie z. B. im Schwimmbad oder der Sauna. Die optimalen Lebensbedingungen für den Fadenpilz liegen in einer feuchten und warmen Umgebung. Entsprechend findet man sie bevorzugt in den Zehenzwischenräumen, Hautfalten und Achseln. Eine feuchte Umgebung durch Fußschweiß, die u. U. einhergeht mit einer unzureichenden Fußdesinfektion oder zu engem Schuhwerk, fördert die Infektion. Dermatophyten fühlen sich äußerst wohl in der feuchten Wärme von langgetragenem Schuhwerk.

Auch wenn es noch andere Arten des Nagelpilzbefalls gibt, werden vor allem zwei Haupttypen unterschieden. Bei einer subungualen Invasion dringt der Erreger unterhalb des Nagels ein. Wenn der Pilz hingegen von der Nageloberfläche eindringt, wird von einer weißen superfiziellen mycotischen Infektion gesprochen. Diese hat eine eher weiße Verfärbung des Nagels zur Folge.

Risikogruppen

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Nagelpilz, denn es kommen gleich mehrere Risikofaktoren zusammen, die Sie anfälliger für eine Pilzerkrankung machen. So ist einerseits die Durchblutung meist schlechter, weil bspw. Gefäße verkalkt sind. Andererseits ist in vielen Fällen das Immunsystem geschwächt, was auf Erkrankungen und teilweise auch auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen ist, die die Immunabwehr unterdrücken.

Da sie oft eine Kombination aus verschiedenen Risikofaktoren aufweisen, sind Diabetiker ebenfalls stärker gefährdet als die allgemeine Masse. Hier kommen in vielen Fällen eine geschwächte Abwehr und Durchblutungsstörungen der Füße zusammen. Zusätzlich leiden Diabetiker oft unter Sensibilitätsstörungen, was sie Verletzungen, durch die Erreger eintreten können, schlechter wahrnehmen lässt.

Allgemein gehören alle Menschen, die an Durchblutungsstörungen leiden, zur Risikogruppe für Nagelpilz. Dies trifft ebenso auf all diejenigen zu, die Medikamente konsumieren müssen, durch die ihr Immunsystem unterdrückt wird.

Auch Sportler gehören zum gefährdeten Personenkreis. Zum einen herrscht in Gemeinschaftsduschen und Umkleidekabinen oft ein ideales Klima für Pilze. Zum anderen sorgt das lange Tragen von Sportschuhen für pilzfreundliche Bedingungen. Durch die erhöhte Schweißabsonderung bei sportlichen Aktivitäten wird die Haut aufgeweicht, wodurch der Pilz ein leichteres Spiel hat. Das ist gleichzeitig auch die Erklärung, wieso Pilzinfektionen bei einigen Berufsgruppen, wie bspw. Bauarbeitern oder Bergleuten, öfter auftreten.

Behandlungsmöglichkeiten bei Nagelpilz

Zur Behandlung von Pilzerkrankungen werden üblicherweise Antimykotika eingesetzt. Diese enthalten Wirkstoffe, welche die Pilze gezielt abtöten bzw. ihr Wachstum verlangsamen.
Sind lediglich die oberflächlichen Nagelschichten und weniger als 50 % des Nagels befallen, kann die Infektion in den meisten Fällen mit einer lokalen Therapie gestoppt werden. Hierzu werden Tinkturen oder Nagellacke, die Antimykotika enthalten, in regelmäßigen Abständen auf den Nagel aufgetragen.

Wenn die Pilze bereits tiefer in den Nagel vorgedrungen sind, bringt diese Behandlungsmethode jedoch keine Erfolge mehr, da der nachwachsende Nagel sich immer wieder neu mit dem Erreger infiziert. Um die Erkrankung zu stoppen ist hier eine innerliche Behandlung mit Tabletten oder Kapseln von Nöten. Der Wirkstoff wird in dem Fall über die Blutbahn transportiert und lagert sich im Nagel ein.

Der Arzt bestimmt dabei die jeweilige Pilzkultur und wählt auf Grundlage dieser Untersuchung das geeignet Medikament aus. Ist die Art des Pilzes nicht hinreichend bekannt, können sogenannte Breitspektrum-Antimykotika verabreicht werden. Diese richten sich parallel gegen viele unterschiedliche Pilzsorten. Die Therapie von Nagelpilz gestaltet sich jedoch relativ langwierig. Bei Einnahme von Tabletten dauert sie ca. 3-6 Monate, bei der Verwendung von speziellen Nagellacken etwa 6-9 Monate.

Weitere Möglichkeiten zur Behandlung liegen in der Lasertherapie, welche seit 2010 angewendet wird. Hier wird der Pilz mit einem Laser direkt bestrahlt. Diese Behandlungsform wird in der Regel jedoch nicht von den (gesetzlichen) Krankenkassen übernommen. Alternativ stehen noch verschiedene Naturheilverfahren zur Verfügung, allerdings fehlen hier oft eindeutige Wirkungsbelege.

Nagelpilz vorbeugen

Um eine Infektion mit Nagelpilz zu vermeiden, bieten sich alle Maßnahmen an, die auch Fußpilz oder bereits bestehenden Fußpilzbefall vorbeugen. Grundsätzlich sollte ein feuchtwarmes Klima im Schuh vermieden werden. Zusätzlich können Haut und Nägel mit geeigneten Cremes vor Versprödung geschützt werden. Es sollte darauf geachtet werden, möglichst offene und atmungsaktive Schuhe zu tragen, durch die Ihre Zehen nicht eingeengt werden. Zusätzlich empfehlen sich Strümpfe aus feuchtigkeitsableitendem Material.

Um nach einer Nagelpilzbehandlung erneuten Befall zu verhindern sind allgemeinhygienische Maßnahmen notwendig, also bspw. das Desinfizieren getragener Socken, das Verwenden von Abtrocknungstüchern oder die regelmäßige Pflege der Nägel. Auch das Tragen von Schuhwerk in öffentlichen Einrichtungen (z. B. Schwimmbädern) kann helfen, eine Infektion mit Nagelpilz zu vermeiden.